Globale Solidarität und erste Pressereaktionen

Hui, das kann ja was werden – bei aller Vielfalt scheint das Projekt „Aktionstage“ eine ziemliche Wucht zu entfalten. Zumindest gehen erste Aktionen jetzt schon los – und die TAZ berichtet: https://taz.de/Aktionstage-fuer-die-Verkehrswende/!5775533/

An dieser Stelle vielleicht für alle, die „Protest“ mit „Zivilem UNgehorsam“ gleichsetzen: ja, das gibt es – auch im Rahmen dieser Aktionstage. ABER: wir wählen einen anderen Weg, weil wir durchaus an Dialog und Diskurs glauben (auch wenn sich manche Leute so benehmen, dass man das lieber nicht möchte…). Das ist der Konsens, den wir uns als Bündnis gegeben haben.

Allerdings spricht dort, wo es notwendig ist, auch nichts gegen Rebellion. Und so erreichte uns über das Netzwerk nachfolgender „Solidaritätsgruß“ zu dem kommenden Wochenende:

Grußbotschaft zur Verbindung des dezentralen Aktionstages für die Mobilitätswende und des Aktionstages „Gira por la Vida – Reise für das Leben“

Als Klima- und Umwelt-AG des Netzes der Rebellion senden wir unsere solidarischen Grüße an alle Menschen, die heute Aktionen für eine sozial- und klimagerechte Verkehrswende durchführen! Auch wir sind heute auf der Straße, und unser Anliegen ist von dem Euren nicht zu trennen!

Der nationale Indigenenkongress von Mexiko, der Zusammenschluss der Pueblos in Verteidigung von Land und Wasser sowie die Zapatistas werden diesen Sommer das Europa von unten und links bereisen, um unsere Kämpfe kennenzulernen, zu stärken und mit ihren eigenen zu verbinden. Das Netz der Rebellion ist dabei der Zusammenschluss aller Gruppen, Kollektive, Organisationen und Einzelpersonen, die in Deutschland die Reise der indigenen Rebell*innen aus Mexiko organisieren. Auch wir führen an diesem Wochenende einen Aktionstag durch, um zu bewirken, dass die zapatistische Vorhut unbehelligt einreisen kann, wenn sie Mitte Juni mit dem Segelschiff aus Mexiko in Spanien ankommen wird.

Was hat das mit dem Aktionstag für die Verkehrswende zu tun, abgesehen davon, dass die Vorhut symbolisch mit dem Segelschiff anreist?

Die offensichtlichste Verbindung: Die Klimakrise ist global, also ist es auch der Kampf dagegen. Und während Deutschlands Industrie und Verkehrssektor maßgeblich an der Zerstörung der Umwelt beteiligt sind, bekommen die Auswirkungen davon bisher vor allem die Menschen im globalen Süden zu spüren, wie etwa die indigenen Gemeinschaften in Mexiko.

Gleichzeitig müssen sie auch dort Kämpfe gegen Waldrodung und Verschmutzung, gegen neue Autobahnen und Industrieparks führen. Mit dem großen Unterschied, dass dort deutsche Konzerne involviert sind – hier aber keine mexikanischen – und dass Aktivist*innen dort mit einem ganz anderen Maß an Repressionen konfrontiert sind, bis hin zu Folter, Mord und Verschwindenlassen.

Wir gedenken in diesem Zusammenhang unserem Freund und Genossen Samir Flores Soberanes von den Pueblos in Verteidigung von Land und Wasser, der seinen Kampf für die Umwelt und gegen ein Gaskraftwerk mit dem Leben bezahlte. Auch nach Azqueltán senden wir solidarische Grüße, wo sich aktuell indigene Gemeinden gegen korrupte und brutale Politik zur Wehr setzen.

Die Zapatistas und weitere Maya-Indigene sehen sich gerade vor allem von einem Mega-Infrastruktur-Projekt bedroht, das zynischer Weise Tren Maya, also Maya-Zug heißt. Damit wird vorgegaukelt, es sei einerseits zum Wohle der Maya-Indigenen, andererseits nachhaltig, weil es sich ja um eine Zugstrecke handelt. Die Wirklichkeit sieht anders aus: In typisch neoliberaler Manier soll es – gegen den Willen der Maya-Indigenen selbst – die sogenannte „Entwicklung“ in die Region bringen. Das bedeutet neben der Zugstrecke: Eine Autobahn durch den Regenwald, Industrieparks auf indigenem Territorium und Massentourismusprojekte in Naturschutzgebieten.

Da das weder ökologisch noch sozial nachhaltig ist, erklären wir unsere Solidarität mit den Zapatistas und allen anderen, die ihr Land gegen dieses Megaprojekt verteidigen. Auch hier fordern wir: eine soziale UND klimagerechte Verkehrswende, und zwar JETZT! Beteiligung aus Deutschland kommt übrigens unter anderem von Siemens und der Deutschen Bahn. Das macht einmal mehr deutlich, wie eng verbunden unsere Kämpfe sind.

Am heutigen Aktionstag für die Verkehrswende sehen wir auf beeindruckende Weise, wie stark wir sind, wenn wir unsere Kräfte bündeln. Die Vielzahl von Aktionen bundesweit zeigt, wie gut die deutsche Klimagerechtigkeitsbewegung bereits in sich vernetzt ist. Jetzt wird es Zeit, dass wir unsere Kämpfe auch darüber hinaus verbinden. Mit Menschen aus anderen Ländern und anderen Bewegungen. Nur so können wir den notwendigen Wandel herbeiführen.

Und genau das ist es, was gerade im Zuge der Reise der indigenen Rebell*innen passiert: In ganz Europa organisieren und vernetzen sich Bewegungen über alle Ländergrenzen hinweg und verbinden ihre Kämpfe: Migrantische und dekoloniale, feministische und antipatriarchale, ökologische und antikapitalistische Kämpfe kommen zusammen. Sie treffen sich im Kampf für das Leben und gegen die Zerstörung, für die Freiheit und gegen die Unterdrückung, für die Solidarität und gegen die Vereinzelung.

Darum ist die Reise für das Leben systemrelevant. Nicht für das kapitalistische System, sondern für das Ökosystem Erde. Kein Vorwand der Regierungen, die unseren Planeten zugrunde richten, wird uns davon abhalten, diese Reise durchzuführen. Wir brauchen sie, um zusammenzukommen, uns kennenzulernen, uns zuzuhören und zu beraten, wie wir dieses mörderische System überwinden und was wir stattdessen aufbauen.

Gemeinsam wollen wir eine neue Welt erschaffen, von unten und von links. Eine Welt, in der viele Welten Platz haben. Für das Leben auf der Welt und für eine lebenswerte Welt.

Solidarische Grüße an alle, die heute für die sozial- und klimagerechte Verkehrswende kämpfen!

Die Klima- und Umwelt-AG des Netzes der Rebellion, Juni 2021. (ak)

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