Über die Feldlerche, die Kameradin des radelnden Lokalreporters – Ein „Bild aus der Ländlichkeit“, zugleich der zweite Teil des Einspruchs, den „der Jonas“ wider den Bau der Endelbergtrasse einlegt

„Der Vogel ist so häufig, dass niemand ihn übersehen kann,“ schrieb der bedeutende Vogelkundler Johann Friedrich Naumann (1780-1857) über die Feldlerche (Alauda arvensis) in seinem Werk „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“. Das ist lange her. Seit etlichen Jahren reduzieren sich die Bestände.
Schlechte Gründe sprechen dafür, dass eine fatale Agrarpolitik daran Schuld hat. Hohe Weizenerträge, verschärfter Maisanbau führen zu Brutflächenmangel. Pestizide schaden, Asphaltierung auch.
Vor ihrem Verschwinden auf Nimmerwiedersehn scheint es keine Hilfe zu geben, da hilft es der Lerche auch nicht, dass sie mit Lessing, Goethe, Eichendorff in die Weltliteratur einging. In dem Gedicht „Mnemosyne“ sagt Hölderlin: „Und es girren verloren in der Luft die Lerchen und unter dem Tage weiden wohlangeführt die Schafe des Himmels.“
Justinus Kerner hat seinen dichtenden Freund, Oberjustizrat Karl Mayer, mit einer Lerche verglichen. „Die Lerche ist ein Stern, ergießend in Tönen sich ins Himmelsblau, mein Mayer ist ein Herz, zerfließend in Liedern licht mit Wald und Au.“
Übrigens hat Mayer, in seiner Gedichtsammlung „Blätter der Liebe“ das Tier selbst bereimt:

Die Lerche

O Lerche, könnt‘ ich mit dir dringen
In jenes lichte Blau,
So froh wie du, so innig singen
Zur blütenvollen Au!

Vom Sänger wäre nichts zu schauen,
Man horchte seinem Lied,
Als ob’s unsichtbar diesen Auen
Der Himmel selbst beschied.

So rein kann ach! ein Lied nicht klingen,
Beschwert von stillem Schmerz,
Zur lichten Höhe sich nicht schwingen
Ein liebekrankes Herz!


Wieder stelle ich mir vor, der ausdauernde Wandersmann Mayer habe den Einfall zu diesem Text auf dem Filsenberg oder im Nehrenbachtal in sein Notizbuch eingetragen.
Alfred Brehm beschrieb 1876 ihren Gesang so: „Der Lockton ist ein angenehmes „Gerr“ oder „Gerrell“, dem ein hellpfeifendes „Trit“ oder „Tie“ zugefügt wird. Bei dem Neste vernimmt man ein helles „Titri“, im Ärger ein schnarrendes „Scherrerererr“. Im Grimmschen Wörterbuch ist er unter „Dirdirliren“ verzeichnet. „Es dirdirlir, dirdirlir, dirdirdirliret die Lerche“, so übertrug nämlich Johannes Prätorius (1630-1680), der vielschreibende und naturbeflissene Historiker-Humorist, die lerchige Ausdrucksweise.

Die wunderbare Feldlerche ist eh bedroht. Und jetzt geht, nach Jahrzehnten der Planung, die Behörde her und versiegelt Flächen, auf denen die Feldlerche zugange ist, mit Asphalt und Beton.


Wie soll denn
der radelnde Reporte in Zukunft
der Feldlerche begegnen,
der geliebten, die mit ihrem Gesang betört,
von oben, aus dem Himmel,
hundert Meter über mir.
Und wie so hübsch sie ausschaut,
mit ihrer schicken Federfrisur,
den weißen Überaugenstreifen,
der gelblichen Brust,
den bräunlichen Flügeln
und dem langem Schwanz.
Was soll ich ihr sagen

zu diesen Plänen, wie könnte sie begreifen,
was vor sich gehen soll?
Seit 1888 ist den Deutschen
der Lerchenverzehr verboten.
Der Baggerzahn
wird den Rest vertilgen.


Deshalb bin ich gewiss: Sie wird sich meinem Einspruch anschließen, die Feldlerche, wider die Asphaltierung und die Bebetonierung.

Gemeinsam setzen wir ein „Kummerklagschreiben“ auf und senden es an das Referat 24 des Regierungspräsidiums, welches man auf die Einsprüche wider alle möglichen Großprojekte angesetzt hat. Da wird es doch auch denkende und fühlende Menschen geben. Und alle, die denken und fühlen, werden einsehen, dass die Feldlerche wesentlich wichtiger ist als „wwrrrrrroooaaammm“-machenden Menschen, die in Blechkarossen hocken, den Weg zu bereiten. Beziehungsweise frei zu machen. „Freie Fahrt für freie Bürger“ und Feldlerche, das geht nimmermehr zusammen.

Annotation der Herausgeberin:

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