Das Auenland auf Merkelerde – eine späte Sage aus dem Jahr 2100

Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit – und doch scheint es schon so lang her-, dass der Alte Weise des Landes Baden-Württemberg den Albrand am Steinlach-Auenland besuchte, um dort die Schönheit des Landes hervorzuheben. Er bewunderte den Blick ins Tal und hob die süßen Früchte, die das Land gebar und die kleinen Linsen, die das Volk ernährten, hervor, um dieses kleine Stückchen Paradies besonders zu ehren. Seither kamen Menschen aus dem ganzen Königreich Merkelerde, um sich an diesem Anblick zu erfreuen.

Doch dieser sollte nicht ewig währen – schon zu jener Zeit braute sich, unbemerkt von der Bevölkerung dieses kleinen goldenen Landstrichs, großes Unheil zusammen. Finstere Mächte des Fürsten Scheuron, die nur Reichtum und Edelsteine im Kopf hatten, wollten mit ihren Karossen das Land durchpflügen und erzählten dem Volk, dass es ihm so viel besser ergehen werde als wenn es weiter die Tierlein hegte und die Pflanzen schützte. Man sagte ihnen, dass das nicht wichtig sei, das Gleichgewicht im Auenland zu wahren, dass sie Zeit ihres Lebens die Ordnung falsch getroffen und ihr ganzes Leben falsch gelebt hätten. Und man erzählte schon den Kindern, dass es keinen anderen Weg als diesen gebe. Durch das Land und nicht durch die tiefen Berge des kleinen Dorfes Oftolingen. Dort wollten die Menschen nämlich in Frieden leben, getrennt von aller Unbill der Karossen durch den Berg Endlon, auf dem sie ihre Angehörigen bestatteten. Man würde den verstellten Blick vom goldenen Trauf hinab ins Tal wohl verkraften, der zurückgeworfene Lärm werde sicher alsbald vom Geklimper des Geldes überdeckt, die Bewohner der Dörflein Nera in dessen Süden und Matzowinga werden sich wohl an den Schall gewöhnen, der geraubte Schlaf durch ewige Glückseligkeit am Tage ausgeglichen.

…mangels professioneller Bereitstellung von Ansichtsmaterial durch das RP musste ich hier leider dillettieren… (ak)

Die Vereinigung von Mensch und Tier sei nimmer mehr möglich, der kurze Weg durch den Berg werde den großen Gott Mammon erzürnen, von diesem sollte man absehen, denn all die Opfer würden sich lohnen, gar in barer Münze für die Nachgenerationen auszahlen. Man verlachte diejenigen, die sich sorgten und erzählte im ganzen Land, dass es allen wohl besser ergehe, würden sie nur noch schneller sein.

Der Alte Weise des Landes schwieg. Man hörte nichts von ihm. Und so war das Volk verunsichert und geneigt, den bösen Mächten des machtvollen Scheuron zu glauben.

Große Monster durchpflügten das Land, verscheuchten die Tierlein und vernichteten jede einzelne Frucht, aus der die Bevölkerung noch kurz zuvor den goldenen Lebenssaft gewonnen hatte. Das Volk verarmte, weil niemand aus dem Königreich Merkelerde mehr kommen wollte, um graue Streifen zu sehen, die nun das Grün der Wiesen und Wälder zerstört hatten. Die Tiere wanderten ins Nachbarreich und wurden vielfach dabei getötet, die Menschen schliefen nicht mehr und die Kinder atmeten die giftigen Dämpfe ein, die sie nun auf allen Wegen begleiteten.

Eine Nachgeneration sollte es nicht mehr geben, denn die Menschen starben an Lärm und Gas, und wer nicht bleiben musste, zog fort. Der Fleck wurde gemieden – niemand wollte mehr auf den einstmals schönen Wegen gehen, weil man von dort aus nur die graue Schneise sah. Und das schöne Land, einstmals das Steinlach-Auenland, wurde zu Mortor.

etwas professioneller…..

Der ehemalige Premiumwanderweg – Fakten und Gedanken

Im Jahr 2014 wurde der Premiumwanderweg in Mössingen von Landesvater Winfried Kretschmann eröffnet. Seither wurde dieser mehrfach auf die obersten Plätze Deutschlands schönster Wanderwege gewählt. Ob das so bleibt? Was macht die Trassenführung mit dem Tourismus? Auf dem Reißbrett sieht das ja alles ganz harmlos aus, dieser kleine Zwickel rund um Ofterdingen herum. Schade, dass es keine 3D-Modellierung gibt, die mal aufzeigt, was das Ganze dann am Ende mit Natur und Menschen macht. Die Begründung, es gehe um die Wirtschaftlichkeit, gepaart mit einem Geschwindigkeitszugewinn, ist meiner ganz persönlichen Ansicht nach lediglich dem Umstand geschuldet, dass „das Volk“ jetzt beruhigt werden und nicht zuletzt der eine oder andere sich noch ein Denkmal setzen möchte – auf Kosten der Nachgenerationen und der — Erde. Das ist nicht nur schade, sondern auch schädlich – für den sanften Tourismus, die Bevölkerung, die Umwelt. Und mit dem Wahren der Schöpfung, das so mancher Christ anzustreben vorgibt, hat’s auch verdammt wenig zu tun… (ak)

Wenn Sie als Wanderer sich durch die Trasse beeinträchtigt fühlen, können Sie Widerspruch zur Planung einreichen – bis zum 2.10.2020

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