Die Rhetorik der CDU und die B27

Die CDU hat am 12.12. im Steinlachboten mal ein ordentliches Statement platziert: „Eine neue Straße für neue Mobilität“, so wurde die Aussage der CDU zum notwendigen Ausbau der B27 zwischen Nehren und Bodelshausen betitelt. Und ich dachte mir: „Neue Mobilität? Haben die etwa echt neue, progressive Vorschläge? Vielleicht sogar schon in Abstimmung mit dem Bundes-Verkehrs-Andi, der ja auch gerne mal von Flugtaxis schwärmt?“.
Naja, beim Lesen des Artikels wurde dann schnell klar, dass es nicht um neue Mobilität geht, sondern lediglich um neue Antriebe für PKW und LKW. Diese als Formen der neuen Mobilität zu bezeichnen, sind schon große Worte.

Richtig absurd waren aber die Aussagen der CDU zum Thema „Nachhaltigkeit“. Offensichtlich möchten auch die Politiker der Union sich gerne das „grüne Mäntelchen der Nachhaltigkeit“ umhängen. Da diese Scharade aber mit Nachhaltigkeit, so wie sie von Hans Carl von Carlowitz im frühen 18. Jahrhundert definiert wurde, nicht funktioniert, wird einfach der Begriff umdefiniert. Böse Zungen würden auch sagen: verfälscht. Ob die CDU hier ernsthaft glaubt, dass dieser rhetorische Kniff irgendwen außer der eigenen Gefolgschaft überzeugen wird, kann ich nicht einschätzen. Aber für alle ernsthaft Interessierten, hier eine Erklärung was Nachhaltigkeit bedeutet:

„Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme gewährleistet werden soll..“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltigkeit

Also bedeutet Nachhaltigkeit, dass nur so viel genutzt wird, wie sich von selbst regeneriert. Nicht umsonst ist das Prinzip der Nachhaltigkeit primär aus der Forstwirtschaft bekannt. Dort bedeutet es, dass aus einem Wald nur so viele Bäume geerntet werden, wie im vorgegebenen Wachstumszyklus auch wieder nachwachsen können.

Der aufmerksame Leser erkennt, dass das „Prinzip Nachhaltigkeit“ und das „Prinzip Flächenverbrauch“ nicht zusammenpassen können. Denn unsere Erde ist eine endliche Fläche. Es entstehen keinen neuen Flächen und was versiegelt ist, bleibt erstmal versiegelt.

Wenn die CDU im Rahmen der Endelbertrasse von Nachhaltigkeit spricht, weil ja bereits Geld und Zeit in die Planung geflossen sei, hilft auch die kreative Umdefinition nichts. Die Endelbergtrasse ist eines definitiv nicht: nachhaltig! Diesen Begriff im Zusammenhang mit Straßenbau zu verwenden ist schlicht falsch und vor allem: dreist.

Auch die Argumente, dass Mössingen, Ofterdingen und Nehren in der Vergangenheit ja bereits ordentlich gewachsen seien, aber dafür kaum Verkehrsflächen dazu gekommen sei, ist in diesem Zusammenhang geradewegs absurd. Denn allein das vom Ofterdinger Bürgermeister Reichert herbeigesehnte „interkommunale Gewerbegebiet“ am Endelberg wird ja noch viel mehr Fläche versiegeln. Durch das gewünschte Gewerbegebiet wird dann der schnelle Ausbau der B27 ja noch dringender, denn die Wirtschaft braucht ja diese Straße. Ohne die Straße droht ja der Wirtschaft im Steinlachtal und dem Zollernalbkreis, wie die CDU suggeriert, der sofortige Kollaps.

Spannend dabei wäre dann, dass die Gemeinde Ofterdingen einmal mehr selbst zu einer Verschärfung einer bereits angespannten Situation beigetragen hätte.

Wenn man sich die allgemeine Entwicklung der Wirtschaft in dieser Region übrigens anschaut, lässt sich die suggerierte drohende Lage selbiger jedoch nicht nachvollziehen. Die Unternehmen der Region schauen, trotz Corona, zuversichtlich in die Zukunft. Als wichtigsten Wunsch nennen sie laut IHK-Untersuchung übrigens den Breitbandausbau…

(Alexander Ott)

Artikel im Steinlachboten, auf den sich der Beitrag hier bezieht – 12.12.20

2 Kommentare zu „Die Rhetorik der CDU und die B27

  1. Hallo, die Vorgehensweise kommt mir irgendwie bekannt vor. Eine Spezialität der CDU, immer die Tatsachen zu verdrehen.Besonders scheinbar auch vom hiesigen Fraktionssprecher, dem es scheinbar immer besonders um „das Wohle der Menschen“ bestellt ist. Ich bin seit ca.1 Jahr in Kontakt mit der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat bzgl. Aufklärung zum Thema Mobilfunk und WLAN, das auf Basis des Wissenschaftsstandes auch in Mössingen rücksichtslos und ohne das notwendige Fachwissen vorangetrieben wird, so wie es die „Oberen“ vorgeben.Man reitet auch hier die angeblich moderne und alternativlose „Nachhaltigkeits- und Klimaschutzwelle“, obwohl uns mit Zulassung von 5G ein exponentieller Energieverbrauch und Schädigung unseres Lebensraumes für Mensch, Tier und Pflanzenwelt ins Haus stehen wird. Energiesparen ist doch aber eigentlich ein prioritäres Thema der CDU. Passt halt mal wieder nicht zusammen und viele heben mal wieder nur die Hand, weils schon passen wird irgendwie… Das Fachwissen über das Thema ist geradezu unterirdisch und jeglicher Versuch sich damit zu beschäftigen wird ignoriert (mit 2-3 Ausnahmen im Gemeinderat).Wir haben auch gegen den Ausbau der Endelbergtrasse gestimmt und engagieren uns generell für den Schutz des Lebens und den Erhalt unserer Umwelt an unserem Wohnort (u.a. auch durch das Thema Mobilfunkaufklärung; u.a. aus eigener gesundheitlicher Betroffenheit; siehe Artikel-Link unten) Vielleicht sollten wir mal telefonieren oder uns vernetzen. Möglicherweise können wir voneinander profitieren, auch wenn wir andere Themen verfolgen. Ich strebe einen Einwohnerantrag an, damit sich Stadt- und Gemeindeverwaltung kritisch mit diesem Thema auseinandersetzen muss (…was sie bisher nicht tun trotz einiger Anläufe…) und bessere, verträglichere Lösungen für Mössingen gefunden werden können über eine Standortanalyse, die bisher noch niemals stattgefunden hat in der Historie. Durch die Standorte und Strahlungsintensitäten der Senderstandorte vor Ort, liegen diverse Gefahren und Risiken für die Bevölkerung bereits unabdingbar vor, die mittelfristig (Zeithorizont 3-10 Jahre) heftige gesundheitliche Probleme für die Einwohner bedeuten könnten, sofern nichts passiert diesbezgl.

    Hier die Petiti

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